Mittwoch, 15. April 2009

Lichthunger

Seit die Sonne scheint, brauche ich Licht. Viel Licht. Und noch mehr Licht. Die Wiesen sind so schnell grün geworden, als hätte es nie einen Winter gegeben. Gestern Abend war ich im Studehüsli. Am Sonntag lief ich mit Wolfgang über den Honig - oder über die hohe Egg. Wir saßen auf einer Holzbank auf dem Honigchäppeli - dem Bildstock, der seinen Namen von der Egg, auf der er steht erhalten hat. Oder von den vielen Honighöfen, der Under-, Mittler- und Grosshonig, der Neuhonig, der Hinderhonig, der Under- und Oberhonigschwand. Das Chäppeli - die Kapelle - steht zwischen zwei mächtigen Linden, den Honiglinden. Sie wurden im Volksempfinden zusammen mit dem kleinen Heiligtum zum Wahrzeichen der hohen Egg. Als man die alten Bäume einmal fällen wollte und die Axt bei der ersten ansetzte, begann sie zu bluten. Also ließ man sie stehen. Wir schnauften und schwitzten in ihrem Schatten, glotzten auf die unerklärlichen Alpengipfel am Horizont. Wolfgang sagte, hier könnte er nicht leben. Das sei ihm zu gottverlassen. Er fliegt heute in eine gottergebene Gegend dieser Erde. Nach Hongkong. Fährt weiter nach Guangzhou, Zhuhai, Macao. Und nächste Woche nach Beijing. Ab sofort ist er weg, nicht ich. Ich war im Studehüsli. Und als ich es in der Nacht verließ, war es draußen finster wie in einer Kuh. Ich sah zum ersten Mal Sterne in der Schweiz. Einen Sternenhimmel wie über unserem Haus an der Nordsee.

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